
Der Grund dafür: die bevorstehende Fahrt nach Wien. Um 7.18 Uhr kam der Zug pünktlich an und 45 Schüler plus drei Lehrer ließen sich in die bequemen Sitze des Waggons fallen um erstmal anderthalb Stunden nach Salzburg zu fahren. In der Landeshauptstadt angekommen wurde brav das Gepäck aus dem einen Zug herausgetragen und in den anderen Zug, diesmal mit Abteilen, hineingehievt.
Dann, nach fast fünf Stunden Fahrt, etlichen Quetschungen vom Aufeinanderliegen in den Abteilen, peinlichen Fotos und der Wahl des „heißesten Abteils“ (Laut Prof. Ehrenfellner: Abteil Anna, Nina, Caroline, Verena, Julia, Thomas, Jörg, Sanni) standen 48 „Landeier“ aus dem Pinzgau inmitten des Westbahnhofs in der Stadt Wien. Sofort wurden die Wochenkarten für Bus, Straßenbahn, U-Bahn usw. gekauft und man machte sich auf die Suche nach der Jugendherberge. Die 4a, ihres Zeichens „gesunde Klasse“, fuhr mit dem Bus, die 4b ging zu Fuß (samt Gepäck!).
In der Jugendherberge angekommen, bezogen wir die Zimmer, liefen in den Gängen herum und versuchten uns erst einmal in dem Gebäude zu orientieren. Nachdem soweit alles bezogen war, machten wir noch einen kleinen Spaziergang in die Innenstadt. Der Weg führte vorbei am Parlament durch den Volksgarten bis zum Bundeskanzleramt, dann über den Michaelerplatz und den Kohlmarkt (vorbei am berühmten Kaffeehaus „Demel“), dann über den Graben und die Kärntnerstraße wieder zurück in unsere Herberge.
Nach dem Abendessen war von der Idylle des Einzugs nicht mehr viel übrig. Es wurde geduscht, getuscht, gepudert, frisiert und gesprüht, was das Zeug hielt, und man konnte überall genervte Schreie von einigen weiblichen, aber auch männlichen Personen hören, wenn wieder mal ein Bad besetzt war. Nach einer Stunde des Umziehens und Schminkens standen die 4a bereit für ihr Jazz-Konzert in der Stadt und die 4b fertig für ihren Theaterbesuch im Raimund-Theater in der Eingangshalle. (Da meine Wenigkeit der 4b Klasse angehört, kann ich nur von den Erzählungen der Parallelklasse ausgehen)
Das Jazz-Konzert war ein großer Erfolg, auch wenn eine kleine, chaotische Katastrophe daraus wurde. Der Beginn verzögerte sich, es gab am Schluss noch drei Zugaben, Phillip ging verloren und dann verpasste die gesamte Gruppe die U-Bahn, wodurch sie erst um kurz vor Mitternacht in der Jugendherberge eintraf. Die anderen waren schon um halb elf Uhr wieder zurück und hatten einen sehr netten, schönen und auch lustigen Theaterbesuch des Musicals „Barbarella“ hinter sich (lustig auch deshalb, weil man im Theater auf eine andere Tiroler Schulklasse traf).

Am zweiten Tag der „Expedition Wien“ erschienen morgens um 7.15 Uhr alle Schüler „frisch und ausgeschlafen“ beim Frühstück. In der Nacht war natürlich alles „ruhig“ gewesen und das Gähnen, das sich durch 45 mehr oder minder müde Gesichter zog, war nur Vorfreude auf den Besuch im Schloss Belvedere.
Um 8.00 Uhr marschierten wir munter in Richtung Innenstadt davon und hatten eine sehr interessante Führung durch das Schloss Belvedere, in dem das berühmte Bild „Der Kuss“ von Gustav Klimt hängt. Wir diskutierten mit der netten Dame, die uns führte, über die Wirkung und Bedeutung einiger Bilder und begaben uns dann auf eine Besichtigungstour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Wiens.
Wir saßen im Stephansdom und hörten Frau Prof. Mosbacher zu, die uns über die verschiedenen Kunststile erzählte, wir wanderten zur National-Bibliothek und setzten uns unter die Statue des Prinz Eugen, die einst ihren Schöpfer in den Wahnsinn trieb, und wir spazierten quer durch den Burggarten wieder zurück zu unserem vorläufigen Zuhause.
Nach dem Essen hatten wir die Möglichkeit, mit Frau Prof. Lainer einen kleinen Ausflug in die Innenstadt (mit klassischer Sachertorte im berühmten Nobel-Kaffeehaus „Landmann“) zu machen, mit Herr Prof. Ehrenfellner in ein Jazz-Lokal zu gehen oder ganz einfach unter der Aufsicht von Frau Prof. Mosbacher in der Jugendherberge zu bleiben und es uns dort gemütlich zu machen. So teilten wir uns in drei Gruppen auf und die, die in der Herberge geblieben waren, wurden sich darüber bewusst, warum wir jeden Meter gehen mussten: um möglichst zu ermüden, damit wir am Abend um zehn Uhr schon schliefen.
Frau Prof. Lainer traf mit ihrer Gruppe um ca. zehn Uhr wieder ein, Herr Prof. Ehrenfellner ließ, wieder einmal, auf sich warten. Die Jazz-Lokal Besucher kamen um ca. halb zwölf wieder zurück und erzählten am nächsten Morgen von alkoholfreiem Bier und einem lustigen Abend.
Ebenso „frisch und munter“, wenn nicht noch „aufgewühlter“ als am Morgen zuvor, tapsten 45 Schüler mit bedenklich hängenden Augenlidern um 7.15 Uhr zum Frühstück. Gleich nach dem Kakao oder Tee machten wir uns auf zum Schloss Schönbrunn. In der alten Sommerresidenz des Kaisers Franz Josef und seiner „Sissi“ hatten wir eine sehr interessante Führung. Uns wurden von den insgesamt 1441 Zimmern 23 gezeigt und wir standen mit offenen Mündern vor dem großem Prunk und den schönen Räumen. Da wir in zwei Gruppen geteilt worden waren, wartete die 4b hinter dem Schloss in dem schönen Schlosspark auf die 4a. Gemeinsam stieg man dann zur Gloriette hinauf, wo man eine tolle Aussicht auf Wien hatte.
Nach einer kleinen Pause wanderten wir zum Tierpark Schönbrunn. Dort bekamen wir Anweisungen für eine Art Rallye. Wir durften in Zweiergruppen alleine durch den Park spazieren und mussten knifflige Fragen beantworten.
Als alle mit rauchenden Köpfen (und Füßen) wieder bei den Lehrern waren, ging unsere „Reise“ durch Wien weiter ins ORF–Zentrum. Dort bekamen wir alle Backstage-Anstecker und eine spannende Führung durch das riesige Gebäude (80 000 m²). Eine Studentin zeigte uns das größte Studio (in dem die Kulisse für die Sendung „Wahre Freunde“ steht) und erklärte uns, wie man im Fernsehen mit verschiedenen Tricks arbeitet. Wir selbst durften dann auch in eine so genannte „Blue Box“ und dort einiges ausprobieren. Die Blue Box wird verwendet um z. B. bei den Wetternachrichten die Landkarte in den Hintergrund einzufügen, oder generell einen Hintergrund zu erzeugen. Der Nachteil daran ist, dass man nichts Blaues anziehen darf, da man sonst verschwindet.
Nachdem unsere Köpfe auf den Körper von Pamela Anderson gesetzt und wir mit dem fliegenden Teppich über Wien geflogen waren, bekamen wir noch ein Videoband mit den Schandtaten aus der Blue Box und wir fuhren zur Mariahilfer Straße (sehnsüchtiges Warten hatte ein Ende). Dort wurden wir entlassen und hatten anderthalb Stunden Zeit, uns durch die Menschenmenge in Richtung Ende der Straße zu kämpfen.
Vollbepackt mit Einkäufen warteten wir dann auf zwei Verspätete, hasteten dann zur U-Bahn und zurück in die Herberge. Dort aßen wir zu Abend und duschten, tuschten, puderten und sprühten wieder von neuem. Gestylt und wie neu, wanderten wir dann in Richtung IMAX–Kino. Nach zwei vierzigminütigen Aufführungen verließen wir dieses wieder und redeten aufgeregt über die zwei tollen Dokumentationen. Der erste Film war in 3D-Animation und mit Riesenbrillen anzusehen. Es ging um Insekten und insbesondere um eine Raupe (Name nicht mehr bekannt), die sich zum Schmetterling entpuppt. Der zweite Film handelte von absterbenden Korallenriffen und wie man sie retten kann. Dieser Film war 2D, also normal. Beide Filme waren sehr schön und interessant und wir kamen (wieder einmal) später als gewöhnlich in die Jugendherberge zurück.
Die letzte Nacht verlief (wie die anderen zuvor) „sehr ruhig“. Am nächsten Tag, am letzten Tag in Wien, war der Ausdruck „müde“ wohl das, was schon lange nicht mehr zutraf, wenn man in die Gesichter der „braven“ Schüler sah. Da die meisten schon am Vorabend gepackt hatten, mussten am Morgen die meisten nur mehr das Bett abziehen und die Koffer wieder nach unten schleppen. Wir gaben das Gepäck am Westbahnhof in Verwahrung und wanderten dann, mit etwas schlappen Schritten, ins Technische Museum.
Dort hatten die Lehrer keine Führung gebucht, wodurch wir uns also frei und alleine durch das große Gebäude bewegen durften. Manche nutzten die zahlreichen Kinos um noch einen kleinen morgendlichen Schlaf einzulegen, andere spazierten interessiert durch die großen Hallen, sahen sich die vielen Modelle und Gerüste an und probierten verschiedene Experimente aus, z.B. die Herstellung eines kurzen Video-Films. Gegen Mittag verließen alle das Museum und setzten sich in den gegenüber liegenden Park, um dort ihr Lunch Paket zu verzehren. Nach der Jause holten wir am Westbahnhof unser Gepäck ab und stiegen in den Zug Richtung Heimat. Da wir in Salzburg nicht umsteigen mussten, verlief die Zugfahrt tatsächlich ruhig, da mehr als die Hälfte der Kinder die Möglichkeit nutzte und den Schlaf der vergangenen drei Tage nachholte.
Die Wienfahrt war äußerst lustig, interessant, „schlafreich“, lustig, schmerzend (an den Füßen), spannend, lustig, einmalig und sehr, sehr, sehr lustig.
Wir danken auf diesem Wege Frau Prof. Lainer für die Organisation, Frau Prof. Mosbacher und Herr Prof. Ehrenfellner für die aufgeopferte Zeit und vor allem für die guten Nerven. Die „Expedition Wien“ waren tolle vier Tage und keiner der 45 Schüler wird diese Fahrt wohl so schnell wieder vergessen.
Einige „Ausrutscher“:
„Woas irgendwer wonn ma aussteign miassn?“
Martin: „Morgen um viatln noch 7 gibs Fruahstuck“
„Welche Stadt hat Prinz Eugen erobert?“
Verena: „Jugoslawien!“
[im Bus sitzt Nina auf einem Sitzplatz und betrachtet einen „Stop“-Knopf]
Nina: „Hee… des schaut jo aus wia ba ins in Österreich!“
Verena: „Sanni, host du an Spiagl?“
Sanni: „Im Bod is oana“
Anna: „ Wer hot an Body on?“
[Martina, Verena und Sanni gehen durch die Stadt, Martina erschreckt eine Taube, die davonfliegt]
Sanni:“ Oiso ich könnte doch nie einer Traube etwas zuleide tun!“
Jule: …Schau, do is a weiße Taube – de is gonz weiß!...
Uvm…
Sandra Schmid,4b |