Lehren und Lernen in der Informationsgesellschaft
Die Digitalisierung unserer Gesellschaft hat vor dem Bildungsbereich nicht Halt gemacht - "e-Learning" oder "Blended Learning" heißen die Zauberwörter. Neue Berufsbilder entstehen und neue Qualifikationen werden im Berufsleben erwartet, zum Beispiel die Fähigkeit in virtuellen Teams zusammenzuarbeiten oder professionelles Produzieren und Präsentieren von Produkten.
Jede Erneuerung birgt bestimmte Erwartungen und Befürchtungen in sich. Diese haben oft die Tendenz, sich zu verselbständigen oder zu Glaubenssätzen zu verfestigen, manchmal auch nur mangels richtiger Information.
Welches sind nun unsere Erwartungen bezüglich des Notebookprojekts? • Niveauvollere, bessere Bildung und Ausbildung • Zeitgemäßeres Unterrichten • Angemesseneres Arbeiten und Problemlösen • Effizienteres Kommunizieren und Strukturieren • Situationsgerechteres, aktuelleres Lehren und Lernen • Mehr Selbstständigkeit beim Lernen • Vielfältigeres, interessanteres Unterrichtsmaterial • Mehr Kreativität im Unterricht
Und unsere Befürchtungen? • Falsche Erwartungen werden geweckt, Wissensspeicherung im Notebook ersetzt nicht den mühevollen Weg des Lernens • Der Anteil des Unterrichts mit Notebook wird überschätzt, es wird nicht wesentlich mehr als ein Drittel der Unterrichtszeit sein. • Spiele und Tauschbörsen für Musik und Videos werden vor allem in der Anfangsphase vom Lernen ablenken.
Lernt man im Zeitalter der neuen Medien anders ? Diese Frage kann man getrost verneinen. Die Funktionsweise unseres Denkapparats ist ja Ergebnis der Evolution und nicht Anpassung an die neueste Computer- oder Handygeneration. Was wir in Zukunft lernen und welche Fertigkeiten wir brauchen, um uns in der Welt zurechtzufinden, wird sich allerdings rascher ändern. Es gibt in der Schule prinzipiell folgende Anwendungsbereiche für Computer und Internet:
1. Recherche: Die Schüler informieren sich selbständig über top-aktuelle Informationen im Internet (Börse z.B.), oder über (Multimedia-) Enzyklopädien wie die Encarta. Genau wie im Umgang mit gedruckten Informationen gehört dazu auch die Qualitäts-Beurteilung der verwendeten Quellen.
2. Dokumentation, Produktion und Präsentation von Arbeitsergebnissen
3. Kommunikation mit anderen: Nicht nur Email und Chat und der dadurch mögliche schnelle Austausch von Informationen und Daten können die Qualität der Arbeit an gemeinsamen Projekten verbessern, vor allem auch der Umgang mit einer Lernplattform, sowie die fachbezogene Diskussion in speziellen Foren und auch das Ablegen (und Wiederfinden!) von Arbeitsergebnissen in öffentlichen Ordnern.
4. Üben und Wiederholen (Training) / Simulationen mit spezieller Lernsoftware. Dazu gehören beispielsweise Vokabeltrainer, (spielerische) Rechen- oder Rechtschreibtrainings ebenso wie Simulationen, die beispielsweise im Geschichts- oder Politikunterricht Anwendung finden.
5. Anhören von Nachrichten und Radiosendungen in jeder gewünschten Fremdsprache, z.B. die Rede Martin Luther King im Original oder English Poetry in Wort und Bild, dargeboten von Sprechern der BBC.
6. Einsatz von Computeralgebrasystemen im Mathematik- und Physikunterricht. Ob unsere Erwartungen erfüllt werden und sich unsere Befürchtungen doch weitgehend als grundlos erweisen, können wir nicht vorhersehen. Aber wir können das für alle Beteiligten (Auftraggeber bm:bwk, Durchführung und wissenschaftliche Auswertung Mag. Verena Popper) doch überraschende, sehr erfreuliche Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2003 stichwortartig anführen und uns ebendiesen Erfolg wünschen.
SchülerInnen der Notebookklassen • sind eher in der Lage, selbstständig eine Lösung zu erarbeiten, • können eine Organisationsaufgabe (Strukturierung, Zeitplanung, Informationssuche und -weitergabe) besser lösen – können die gegebene Information besser verarbeiten, • nennen mehr relevante Kriterien für Teamarbeit, • weisen eine höhere Selbstwirksamkeit (Überzeugt von eigenen Fähigkeiten) auf, können professionell präsentieren.
• erbringen keine schlechteren Ergebnisse beim Konzentrationstest, • zeigen im Vergleich mit anderen SchülerInnen keine höhere Nutzungsdauer des Computers zuhause und • haben keine schlechteren Noten als andere SchülerInnen.
Prof. Mag. Gabriele Jauck |