Die seit den 50-er Jahren bestehenden Initiativen (Gründung eines privaten Schulvereins durch Dr. Ernst Höfer, unterstützt durch Dr. Max Effenberger, Frau Theresia Lerperger, Frau Stärz und Dr. Josef Kinberger), in Zell am See eine höhere Bildungsanstalt zu errichten, zeitigten anfangs der 60-er Jahre Erfolg. So konnte im Jahre 1963/64 der Schulbetrieb in Form eines Realgymnasiums aufgenommen werden, ab 1965 war die neue „Mittelschule“ ein Neusprachliches Gymnasium, dieses wurde1970 wieder in ein naturwissenschaftliches Realgymnasium rückgeführt.
Mehrfach wurde in der Folge über die für die Bezirkshauptstadt förderlichste Schulform diskutiert und beraten. Zu bedenken war einerseits, dass eine Übertrittsmöglichkeit von der Hautschule erhalten bleiben sollte (ab der 3. Klasse Umstieg ohne zusätzliche Prüfungen nur in ein Realgymnasium möglich), andererseits stellte eine Sprachoffensive in einer Fremdenverkehrsregion und einer immer offeneren Gesellschaft für viele eine Notwenigkeit dar.
Interne „Sonderformen“ (z.B. ab 1979 Schulversuch Naturwissenschaftliches Realgymnasium mit Wahlmöglichkeit Französisch statt Latein) und Gesetzesvorgaben (Reduzierung der Schulformen auf drei Grundtypen) konnten über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass es für die Schülerinnen und Schüler des Einzugsgebietes nur einen naturwissenschaftlichen Weg zur Matura gab. So gab es in den achtziger Jahren auch immer wieder Versuche, in Zell am See ein Gymnasium zu initiieren, seitens der Oberbehörden wurde aber dieses Ansinnen sehr zurückhaltend behandelt und schlussendlich nicht genehmigt.
Da auch die Lehrplan- und Oberstufenreform in den frühen neunziger Jahren trotz Aufwertung der Sprachen (Möglichkeit der Wahlpflichtgegenstände) an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundrichtung der Schule nichts Prinzipielles änderte, wurden in mehreren Schritten (Autonomie in der Unterstufe mit Wahlmöglichkeit Französisch ab der 3. Klasse) und dem viel beachteten Schulversuch Autonomie in der Oberstufe (Stundenfundament mit zahlreichen zusätzlichen Wahlmöglichkeiten) eine überaus positive Schulentwicklung eingeleitet und verwirklicht.
Die politische Entscheidung, die drei Grundtypen (Gymnasium, Realgymnasium und Wirtschaftskundliches Realgymnasium) mit Mindeststundenzahlen (in weiten Bereichen unserem Fundament entsprechend) zu erhalten und alle Schulversuche in dieses neue Regelschulwesen überzuführen, sowie die notwendige Umsetzung der vieldiskutierten Stundenkürzungen, hätte für die Schule einen klaren Qualitätsverlust im sprachlichen Bereich zur Folge gehabt. Eine Rückkehr zum Stundenfundament eines Realgymnasiums wäre unumgänglich gewesen.
Nach intensiven Beratungen kristallisierte sich deshalb nur eine Lösungsmöglichkeit heraus: Die Führung einer gymnasialen Schulform zusätzlich zum Realgymnasium. Dass dieser Prozess von der Notwendigkeit (Stundenkürzungs- und Rechtsbereinigungsverordnung, verlautbart am 15. Juni; Schulversuchserlass vom 26. Juni; persönliches Gespräch im Ministerium am 2. Juli) bis zur Verwirklichung (Antrag an den LSR und das bm:bwk am 7. Juli; Genehmigungsmitteilung des LSR am 5. August) im Laufe eines (Ferien-) Monats erfolgreich abgeschlossen werden konnte, zeigt, dass unsere Schule bei allen Gremien höchstes Ansehen besitzt und dementsprechend Unterstützung fand. Ohne die vorangegangene Schulentwicklung, der Zusammenarbeit aller Schulpartner und der erfolgreichen Unterrichtsarbeit der letzten Jahre wäre dies mit Sicherheit nicht möglich gewesen.
Es ist daher in der Geschichte der allgemein bildenden höheren Schule in Zell am See seit dem Schuljahr 2003/04 möglich, beide Schulformen, die des Gymnasiums und des Realgymnasiums, parallel zu führen.
Damit können sowohl sprachliche Neigungen und Begabungen als auch naturwissenschaftliche Interessen entsprechend gefördert werden. Wir sind zusätzlich bestrebt, die zahlreichen positiven Aspekte der Schulentwicklung (in erster Linie die Wahlmodule des Schulversuchs) weiterzuführen und damit individuell „maßgeschneiderte“ Ausbildungswege zu ermöglichen. |