"Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" - Kinder lieben Märchen und Geschichten. "Schon ganz kleine Kinder schauen sich Bilderbücher an. Sobald sie anfangen, Dinge um sich herum wahrzunehmen, sollten sich Eltern die Zeit nehmen, mit ihnen Geschichten - zum Beispiel über Badeentchen - anzusehen", sagt Ulrike Müller, Mitarbeiterin des Internetportals
http://www.lesen-in-deutschland.de/.
Haben die Kids ihren ersten Kontakt mit Büchern erst in der Schule, ist es meist schon viel zu spät. Gegenüber den Lese-Kindern haben sie häufig Sprach- und Konzentrationsprobleme.
Eltern als gutes Vorbild
"Entscheidend für die Leselust der Kleinen sind ihre Erfahrungen im Vorlesealter", sagt Jens Thiele, Direktor der Forschungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur der Universität in Oldenburg. "Die Erwachsenen sollten den Kindern ein gutes Vorbild sein und nicht nur die Tageszeitung lesen", sagt Müller. Bücher gehören als Angebot in die unmittelbare Umgebung des Kindes.
Und warum soll immer nur im Kinderzimmer vorgelesen werden? Kinder können - wie Erwachsene - in Bibliotheken gehen oder auch Lesungen von Kinderbuchautoren besuchen. "Die Angebote müssen einfach wahrgenommen werden", sagt Müller. "Auf der Internetseite lesen-in-deutschland.de finden sich immer wieder Termine rund ums Lesen."
Kinder schauen nicht nur die Bilder an und hören zu. Dinge, die sie nicht verstehen, wollen besprochen werden. Alltägliche Erfahrungen und Gefühle spiegeln sich in den Büchern wieder. "Besonders kleine Kinder bringen sich direkt ein mit ihrem Erfahrungshorizont und sind sehr neugierig. Sie entwickeln schon früh ein Wertesystem und Gefühle, ob das Gehörte gerecht ist und ihre Zustimmung erfährt", betont Thiele. Nähe zu dem Vorlesenden und das Gefühl der Geborgenheit bieten einen "Schutzraum" und Kommunikation zugleich.
Märchen für alle Altersstufen geeignet Märchen sind nach Auffassung des Kulturwissenschaftlers für alle Altersstufen geeignet, weil sie viele verschiedene Ebenen enthalten. Auf symbolische Weise machen sie schon die Kleinen mit den elementaren Wahrheiten des Lebens vertraut.
Zum Beispiel bei Dornröschen mit dem Warten, bei Hänsel und Gretel mit dem Bösen und dem Tod. Bei Rotkäppchen geht es um Unangepasstheit, wenn das Kind nicht auf die Mutter hört, aber genau dadurch auch wieder dem bösen Wolf entkommt. "Märchen kennen keine Tabus, aber sie sprechen die Abgründe nicht direkt aus - es gibt eine Distanz zu den Figuren", erklärt der Experte.
Trotz aller Liebe zu Büchern raten die Fachleute, nicht nur auf Lesestoff allein zu setzen. Der Umgang mit Alltagsmedien wie Hörspielkassetten, Fernsehen, Handys oder auch dem Computer spielt ebenfalls eine große Rolle. Kinder sollen lernen, dass jedes Medium eine bestimmte Funktion hat und nicht alle gleich gebraucht werden. Beim Hören einer Kassette kann man auch nebenher aufräumen oder malen. Ein Buch erlaubt dem Leser, sich zurückzuziehen und in eine andere Welt abzutauchen.
Bei der Programmauswahl helfen Unterhaltungssendungen oder Tierfilme im Fernsehen können gemeinsam mit der Familie geschaut werden. Allerdings sollten die Eltern bei der Programmauswahl helfen und Verabredungen treffen, damit die Kinder nicht vor der "Glotze" hängen bleiben. Das Internet können Schüler auch als Wissensbörse nutzen lernen.
Wichtig bei allen gemeinsamen Aktionen ist laut Thiele, dass die Eltern nicht krampfhaft versuchen, ein "pädagogisches Notprogramm durchzuziehen", sondern mit Lust und Spaß ans Vorlesen oder an die Unterhaltung gehen.
"Bücher sind Anlass und Anreger für die Fantasie und das Denkvermögen der Kinder", weiß Müller. Eltern sollten das "Vorlesenwollen" in den Hintergrund stellen und sich als "fragender Begleiter" einbringen. Kindern brauchen die Möglichkeit, eine eigene Geschichte aus Bildern zu machen, zu erzählen und zu erleben. So bleiben Lesen und Vorlesen in positiver Erinnerung.
Quelle:
http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wissenschaft/bildung/84536